Ich bin zurück aus Portugal und freue mich darüber, wie herrlich grün mittlerweile alles ist. Wenn ich aus dem Fenster und in die Üppigkeit der Blätter schaue, merke ich, wie sich auch in mir etwas ausdehnt und weiter wird – ja, weiter werden muss, denn ich will alle diese Üppigkeit spüren und aufsaugen, habe immer noch ein tiefes Bedürfnis, nach der Kargheit des Winters diese neue Lebendigkeit in alle Zellen aufzunehmen. Ein neuer Zyklus hat begonnen, draußen und gefühlt auch für mich.

Lebendigkeit spüren, Zyklen wahrnehmen

Zyklen, wie die der Natur, erleben wir im Kleinen und Großen, oft, ohne es wirklich zu bemerken. Vielleicht sind wir Frauen etwas näher an ihnen, weil wir mit dem monatlichen Zyklus und seinem Auf- und Ab der Gefühle und körperlichen Empfindungen vertraut sind. Ich merke sehr genau, in welcher Phase des Zyklus ich sein muss, weil ich meinen Körper mittlerweile sehr gut kenne. Doch auch abseits davon gibt es Zyklen, angefangen vom Tageszyklus bis zu unseren ganz eigenen Lebenszyklen, in denen etwas Altes endet und etwas Neues beginnt.

Wir könnten auch den Übergang von einer Auszeit zum Alltag als Abschluss und Beginn eines neuen Zyklus sehen. Und oft ist genau diese Zwischenphase, wo das eine endet und das andere beginnt, eine etwas „wacklige“ Angelegenheit.

In meinen letzten Portugaltagen bin ich immer ein bisschen melancholisch, weil es doch einige Menschen und Dinge gibt, von denen ich weiß, dass ich sie vermissen werde. Und gleichzeitig bin ich auch aufgeregt, wie ich das, was ich aus meiner Portugal-Zeit (und den Retreat-Tagen mit meiner Lehrerin) mitnehme, in meinen Alltag bringen kann. Und ich freue mich natürlich auch darauf, meinen Freund wieder zu sehen und gewisse Routinen wieder aufzunehmen.

Und doch frage ich mich jedes Mal, wie ich Teile von dem, wer und wie ich in Portugal bin, mit in eine andere Kultur und eine andere Umgebung nehmen kann. Zum Beispiel diese Form von Lebendigkeit, die ich dort oft spüre.

Was macht Lebendigkeit aus?

Wenn ich dann zurückschaue und reflektiere, was es ist, das diese Lebendigkeit ausmacht, ist es einerseits die Palette dessen, was Portugal ausmacht … the good, the bad + the ugly: Es gibt nicht nur die pittoresken Häuser, den blauen Himmel, atemberaubende Ausblicke und volle Weingläser, sondern auch viiiel Improvisation und oft nicht so schöne Ecken. Lissabon riecht manchmal sehr intensiv, von Gewürzen und Grillgeruch bis zu Urin und Schimmel. Nicht alles davon gefällt mir, aber merke, wie viel meine Sinne hier zu tun haben. Die unterschiedlichen Menschen und Kulturen und deren Ausdruck haben ebenfalls ihren Anteil an dieser Vielfalt der Eindrücke.

Und dann ist da die (auch oft der Hitze geschuldete) Langsamkeit und Entspanntheit, die dabei hilft, mehr bei sich zu bleiben, weniger im Kopf und mehr im Spüren zu sein. Dazu kommt der soziale Aspekt: So viele spontane Gespräche mit Fremden wie in Portugal habe ich in meinem Alltag sonst nicht. Und mir werden auch nicht so viele nette Dinge von unbekannten Menschen gemacht. Ich spüre oft eine große Herzlichkeit und kein Zurückhalten bei Komplimenten, wenn ich dort bin. Die Leute sind großzügig damit. Und sie freuen sich wahnsinnig oft über die simplen und kleinen Dinge, schätzen und sehen sie, sind dankbar dafür.

Wie sich unsere Umgebung auf unsere Lebendigkeit auswirkt

Es ist leicht, sich von einer Kultur und ihren Prägungen einnehmen zu lassen, sobald man sich dort befindet. Unsere Umgebung wirkt sich immer auf uns aus und damit ist es natürlich in sehr kopflastigen Ländern, die viel Wert auf Vernunft und rationales Denken legen, herausfordernder ein anderes Tempo oder einen anderen Modus des Seins beizubehalten.

Doch: Die Dinge, die ich oben aufgezählt habe, sind Dinge, die sich auch hier kultivieren und üben lassen. Vielleicht ist es vor allem am Anfang nicht so einfach. Doch wenn wir eine regelmäßig Praxis daraus machen, wird es mehr und mehr zu einer Gewohnheit, die sich auf die Art und Weise auswirkt, wie wir in der Welt sind und ihr begegnen.

Ein paar Ideen, wie du mehr Lebendigkeit kultivierst:

❁ Lass alle deine Gefühle zu („the good, the bad + the ugly…“ ; ) …)
❁ Öffne deine Sinne für das, was da ist und nimm dir Zeit, wirklich hinzuspüren
❁ Nimm ein wenig Tempo raus. Merke, wenn du die Verbindung zu dir selbst,
deinem Körper und deinen Gefühlen verlierst, weil du zu schnell machst
❁ Nimm dir bewusst Zeit zum Durchatmen (mehrmals am Tag)
❁ Übersieh die kleinen Dinge nicht, die dir Freude schenken und nimm sie ganz bewusst wahr
❁ Trau dich, auch mal einer fremden Person ein Kompliment zu machen oder belanglos mit ihr zu plaudern
❁ Verbinde dich immer wieder mit deinem Herzen und schau, wie es ist, von dort zu sprechen und zu handeln
❁ Bleib offen für spontane Begegnungen und nimm dir Zeit für alltägliche, soziale Interaktionen
❁ + lass dich von der Lebendigkeit der Natur nähren und unterstützen

Ich habe diese Ideen nicht nur für dich gesammelt, sondern sie dienen auch mir als Erinnerung daran, wie ich mein „Portugal-Gefühl“ weiter in den Alltag mitnehmen kann.

Lass mich gerne wissen, was du ausprobierst und wie es dir damit geht oder was davon dir noch schwer fällt : )

P.S. Dieser Text ist aus meinem Museletter vom Mai 2026 – hier kannst du ihn abonnieren und ich schicke dir außerdem mein digitales Booklet mit 12 Inspirationen für mehr Balance

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