Finde mehr innere Ruhe und Gelassenheit: durch regelmäßige Rituale.
Viele Jahre lang sah mein Morgen so aus: Der Wecker hat geklingelt, ich wurde jäh aus meinen Träumen gerissen und mein Herz hat wild gepocht. Manchmal war ich eigentlich noch tief in der Emotion des Traumes, hatte gleichzeitig aber innerlich schon das Gefühl, dass ich so schnell wie möglich an die Arbeit gehen sollte und ins Machen und Tun kommen sollte. Das heißt: Ich fühlte mich schon beim Aufstehen gestresst, angespannt und als würde ich dem Tag hinterherlaufen, hätte schon morgens nicht genug getan.
Und irgendwie hatte ich auch das Gefühl, das müsste so sein. So würde es doch sicher allen anderen auch gehen. Wenn ich dann vor lauter Gestresst-Sein unkonzentriert und schusselig war und zum Beispiel das Kaffeepulver verstreute, war auch das ein kleines Drama, das mich furchtbar frustrierte und ärgerte (obwohl es keine große Sache ist – wenn man ausgeglichen ist und es einfach mit Humor nehmen kann…).
Das „Beste“ an der Sache war, dass ich selbständig arbeitete und oft selbst bestimmen konnte, wann oder wie mein Tag anfing, eigentlich… Doch innerlich fühlte ich mich immer getrieben und als müsste ich mehr leisten und dürfte mir das nicht erlauben, dürfte keine Zeit verlieren; als säße mir die Zeit immer im Nacken…
Heute ist das zum Glück anders: Heute habe ich Rituale, die mir helfen, mit mehr innerer Ruhe und Klarheit in den Tag zu starten.
Und heute fühle ich mich nicht mehr „schuldig“ oder als würde ich damit kostbare Zeit vergeuden, denn ich weiß, wie anders ich in den Tag starte und wieviel ausgeglichener ich mich fühle, wenn ich mir morgens Zeit für meine Praxis nehme.
Darum – und das finde ich sehr wichtig – sind diese Rituale auch nichts, zu dem ich mich zwinge. Im Gegenteil: Wenn ich sie ein paar Tage nicht mache, weil zum Beispiel Besuch da war oder ich unterwegs war und Raum und Zeit dafür fehlten, merke ich, wie ich mich schon darauf freue, diese Zeit und diesen Raum für meine Praxis wieder zu haben und in sie einzutauchen.
Die Entspannung beginnt mit dem Ritual
In dem Moment, in dem ich mich auf meine Matte begebe oder auf den Sessel setze, auf dem ich meistens meine morgendliche Meditation oder Kontemplation mache, spüre ich, wie etwas in mir sich entspannt und ganz leise „aaaaah“ macht. Denn mein Körper weiß schon, dass jetzt das regelmäßige Ritual beginnt. Dass jetzt Zeit ist, um alle Gefühle, die gerade da sind, zu fühlen. Dass hier alles willkommen ist, kein Gefühl verurteilt oder weggeschoben wird, dass alles da sein darf.
Und wenn ich mich morgens gestresst fühle, dann darf auch das da sein. Aber ich verurteile weder mich dafür, dass ich so fühle, noch versuche ich aktiv, das Gefühl zu verändern. Ich nehme es wahr und nehme es an. Ich sehe es als Information, wie es mir gerade geht und was ich brauche. Und diese Akzeptanz, das liebevolle Wohlwollen mir gegenüber, führen interessanter Weise dazu, dass das Gefühl von Gestresst-Sein langsam etwas nachlässt. Einfach, weil es da sein darf. So ist es mit all unseren Gefühlen, die wir oft nicht fühlen und lieber wegschieben wollen.
Mein Ritual schenkt mir mehr Verbundenheit mit meinem Körper…
Wenn ich morgens in mich hineinfühle, merke ich, wie viel Energie ich habe, wo ich verspannt bin, wo mir etwas weh tut. Ich spüre, welche Art von Bewegung mir gerade gut tut. Möchte ich mich ein bisschen schütteln, sanft dehnen und strecken, die Hüften kreisen? Möchte ich mich intuitiv mit meinen Gefühlen bewegen? Über die Zeit lerne ich mich und meinen Körper damit viel besser kennen und fühle auch mehr liebevolle Verbundenheit mit ihm, bin weniger hart zu mir selbst und mitfühlender, rücksichtsvoller mir selbst gegenüber.
Und all das ist für mich unbezahlbar viel wert. Ich glaube, jede/r von uns kann 10 Minuten aufbringen, wenn wir wirklich wollen. Es mag dir wenig vorkommen, aber Regelmäßigkeit ist das, was sich auszahlt. Dafür ist es wichtig, realistisch zu sein und klein anzufangen.
Das, was wichtig ist, ist erst einmal eine Basis zu schaffen. Wenn dir dein anfängliches Minimum irgendwann zu wenig wird, nimm dir mehr Zeit, sicher! Und wenn du es einmal nicht schaffst, ist das auch OK. Je öfter du dich und dein Ritual ernst und dir Zeit dafür nimmst, desto mehr wirst du merken, wie es dir nach und nach leichter fällt. Warum? Weil du siehst, wie gut es dir tut : )

Ein paar hilfreiche Punkte für ein regelmäßiges Ritual
• (D)Ein regelmäßiges Ritual kann simpel sein
Ich glaube, woran viele scheitern, wenn sie ein neues Ritual etablieren möchten, ist, dass sie es zu kompliziert angehen oder sich zuviel vornehmen.
Dabei können 10 Minuten am Tag schon einen riesigen Unterschied machen.
Stell dir vor, du setzt dich 5 Minuten in Stille hin, konzentrierst dich auf deinen Atem oder darauf, was du in deinem Körper gerade wahrnehmen kannst. Und dann nimmst du dir 5 Minuten, in denen du dich intuitiv so bewegst, wie es dir gerade gut tut.
Vielleicht verändert es an Tag 1 noch nicht so wahnsinnig viel, aber über die Zeit wirst du merken, dass diese 10 Minuten Zeit für dich dir mehr Gelassenheit und innere Ruhe schenken können.
• Ganz wichtig für ein regelmäßiges Ritual ist…
… neben der Sache, die ich gerade erwähnt habe: Es muss in dein Leben passen. Jemand, der Kinder hat oder angestellt arbeitet, hat andere Möglichkeiten, als eine Person, die alleine lebt oder selbständig ist und zuhause arbeitet.
• Schau, wann für dich die beste Zeit ist und auch, was ein guter Ort für dein Ritual ist
Wie ich weiter oben geschrieben habe: Je öfter du dein Ritual an einem dafür bestimmten Ort durchführst, desto mehr verbindest du diesen Ort automatisch mit deinem Ritual. Wenn du deine Praxis jeden Tag an einem neuen Ort machst, wird es dir viel schwerer fallen, als wenn es diesen einen Ort gibt, wo dein Körper innerlich schon beim Hinsetzen auf deiner Matte, deinem Kissen oder deinem Sessel „weiß“, dass jetzt Zeit für dich und dein Ritual ist.
Du kannst auch einen konkreten Ort für dein Ritual schaffen, an dem du dich wohlfühlst und ihn so gestalten, dass du dich gerne dort aufhältst.
• Es geht nicht darum, bei deinem morgendlichen Ritual stur einem Programm zu folgen
Das, was du tust, soll DIR gut tun und dein Wohlbefinden steigern. Und es soll dich meiner Meinung nach dabei unterstützen, mehr und mehr herauszufinden, was es ist, was dir persönlich gut tut. Und das muss nicht jeden Tag dasselbe sein. Vielleicht hilft es dir an einem Tag, in Stille zu sitzen und dich intuitiv zu bewegen, vielleicht merkst du am nächsten, dass du deine Gefühle gerne aufschreiben und reflektieren möchtest, weil anderweitig zuviel Durcheinander in dir herrscht.
Vielleicht möchtest du an einem Tag mit intuitiver Bewegung beginnen und dich dann zu einer kleinen Meditation hinsetzen und am nächsten Tag umgekehrt. Vielleicht hast du am nächsten Tag das Gefühl, du würdest gerne zu einem Song tanzen, der dir Energie schenkt.
Ich persönlich finde es wichtig, dass du in dich hinein hörst, dir selbst zuhörst und dass du genau das durch die Zeit und den Raum, den du dir täglich schenkst, lernst.
Ich habe in diesem Beitrag viel vom „Morgen-Ritual“ gesprochen, aber natürlich kannst du auch abends ein Ritual etablieren, das dir gut tut und dir hilft, den Tag in Ruhe abzuschließen. Dafür gehe ich an den meisten Tagen zu einer Runde Non-Linear Movement auf meine Matte – und schlafe danach meistens auch besser.
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Ich hoffe, dieser Beitrag hat dich ein wenig inspiriert und dir gezeigt, dass ein regelmäßiges Ritual auch sehr simpel sein kann. Wenn du Unterstützung dabei brauchst, ein für dich passendes, regelmäßiges Ritual zu etablieren, schreib mir gerne! Ich kann dir dabei zum Beispiel in der 1 zu 1 Begleitung helfen.
Slow January Rituals
Zum Jahresanfang plane ich ein neues Programm: „Slow January Rituals“ – hier begrüßen wir das kalendarische neue Jahr mit mehr Bewusstheit, Klarheit, Zeit für dich und deine Intentionen und mit mehr Verbundenheit mit deinem Körper.
Es ist eine super Gelegenheit, neue Rituale in dein Leben zu bringen, die dich unterstützen und dir gut tun.
Schreib mir gerne, wenn dich das interessiert, mehr Infos dazu bald unter Termine.



